Tschechoslowakische Panzer bis 1945

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tom
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Tschechoslowakische Panzer bis 1945

Beitrag von tom » Sa 12. Jan 2019, 11:02

Moin.

Tschechoslowakische Panzer bis 1945


Teil 1: Räder-Raupen-Panzer Kolo-Housenka:

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Kolo Housenka-50
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Nach dem ersten Weltkrieg waren viele deutsche Panzeringenieure arbeitslos, da Deutschland keine Panzer entwickeln durfte. Daher suchten viele Arbeit bei ausländischen Panzerschmieden. Unter diesen war auch einer der Chefentwickler, Joseph Vollmer, der sich an die tschechoslowakische Firma Breitfeld-Daněk wandte. Vollmer hatte nach dem Krieg zunächst für Hannomag einen neuen Typ landwirtschaftliche Zugmaschine mit einem gemischten Antrieb aus Ketten und Rädern gearbeitet. Dabei fuhr das Fahrzeug je nach Untergrund entweder auf seinem Kettenlaufwerk oder auf vier Rädern, die an den vorderen und hinteren Treibrädern der Ketten angebracht waren. Angetrieben wurden sie vom Motor über eine Vorderachse. Bei Breitfeld-Daněk entwickelte er das Prinzip weiter und es entstand 1923 neben einer Zugmaschine auch ein leichtes Panzerfahrzeug mit Hybridantrieb unter der Bezeichnung Kolo Housenka-50, was die Kurzform für „Räder-Raupenfahrzeug mit 50 PS“ war.

Das Fahrzeug bestand aus einem Kampfraum vorn und einem Motorraum hinten. Die Besatzung bestand aus Fahrer und Kommandant/Schütze. Als Bewaffnung stand eine lange 37 mm Kanone D/27 von Skoda zur Verfügung. Alle Panzerplatten waren an ein Stahlgerüst genietet. Die untere Bugpanzerung war der des Renault FT-17 ähnlich und bestand aus mehreren schräg angeordneten Panzerplatten. Die obere Bugpanzerung bestand aus zwei Teilen und war ebenfalls schräg angeordnet. Vor dem Fahrer waren in beiden Teilen jeweils große Klappen eingebaut für eine bessere Sicht und Belüftung. Im Notfall konnte das Fahrzeug auch dort verlassen werden. Seiten – und Heckpanzerung hingegen waren senkrecht angenietet. Der Turm auf dem Kampfraum war zylindrisch und mit einer ebenfalls zylindrischen Kuppel zur Gefechtsfeldbeobachtung versehen. Die vordere Turmdecke war schräg angeordnet. Das Fahrzeug war relativ hoch, da der Kommandant im Turm stehen musste. Der normale Zugang zum Kampfraum erfolgte über eine große Luke auf beiden Seitenpanzerungen auf Höhe des Kampfraumes. Eine weitere Luke zur Motorwartung war jeweils im hinteren Teil der Seitenpanzerungen eingebaut.

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Kolo Housenka Prototyp
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Die Kettenlaufwerke waren von einem Gehäuse aus Panzerplatten bedeckt. Nur die jeweils die Kette stützenden Teile der Lauf- und Stützräder waren außerhalb dieses Gehäuses. Vorn war ein großes Antriebsrad, hinten ein kleineres Spannrad eingebaut. Der Antrieb der Ketten erfolgte über die Getriebe unter dem Fahrersitz. Dieses ermöglichte such den Antrieb der Achse der Räder. Der Radantrieb bestand aufs zwei lenkbaren Vorderrädern und zwei hinteren, ungelenkten Doppelrädern. Um vom Rad- auf den Kettenantrieb zu wechseln, wurden am Fahrzeug zwei V-förmige Rampen mitgeführt. Das Fahrzeug fuhr mit den Rädern vorn oder hinten auf die Rampe. Dann wurden die Räder entweder abgesenkt oder angehoben. Schließlich fuhr es wieder von der Rampe herunter und konnte dann die andere Antriebsart nutzen. Der ganze Vorgang dauerte 15 Minuten. Als Motor wurde ein Hanomag WD 50 Benzinmotor mit 50 PS verwendet. Die Motorabgase wurden über einen Endtopf hinten oben an der rechten Fahrzeugseite abgeführt.

1924 wurden unter Mithilfe der Firmen Tatra und Laurin & Klement zwei Prototypen fertig gestellt. Beide wurden zunächst ohne Panzerung für Laufwerkstests verwendet. Danach erfolgte die militärische Erprobung beim Militärtechnischen Institut in Prag. Dort wurden die Fahrzeuge intensiven und harten Tests unterzogen. Aufgrund Materialmangels wurde der erste Prototyp relativ schnell irreparabel beschädigt. Der zweite Prototyp wurde mit Panzerung und Bewaffnung versehen. Er konnte zumindest bei der Fahrt auf Rädern mit seinen 35 km/h Aufsehen erregen, da die meisten damaligen Panzer mit Ketten maximal 20 km/h schafften. Die Geschwindigkeit auf Ketten war mit 15 km/h aber wiederum deutlich unter dem internationalen Wert. Letztlich konnte sich die tschechoslowakische Armee nicht für eine Einführung des Fahrzeugs entscheiden.

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Kolo Housenka-60
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1927 fusionierten die Firmen Breitfeld-Daněk und Českomoravská-Kolben zur Firma CKD. Dabei wurde entschieden, den Prototyp zu überarbeiten. Hauptänderungen waren die Verwendung eines Hanomag 60 PS Benzinmotors und eine modifizierte Bug- und Turmpanzerung. Die Bugpanzerung bestand nun aus vier Platten mit unterschiedlichen Winkeln und hatte nur noch eine kleine Sehklappe für den Fahrer. Der Turm war nun größer und hatte keine Kuppel mehr auf dem nun waagerechten Dach. Die Bewaffnung des Prototypen bestand aus zwei MG vz.24 (Schwarzlose), aber der Einbau der 3,7 cm Kanone oder sogar einer 4,7 cm Kanone sollte möglichsein. Kleinere Änderungen waren die Verlegung der Wartungsklappen am hinteren Teil der Seitenpanzerung und die Verlegung des Endtopfes für die Abgase auf die obere Panzerung. Unter der Bezeichnung Kolo Housenka-60 wurde das Fahrzeug an die Armee übergeben. Dort wurde es eingehend getestet, konnte jedoch trotz gesteigerter Leistung erneut nicht überzeugen. Der Prototyp wurde jedoch offiziell als Technologiebeispiel übernommen.

1929 wurde das Fahrzeug erneut überarbeitet. Hauptänderungen waren die Verwendung eines Hanomag 70 PS Benzinmotors, eine überarbeitete Hebevorrichtung für die Räder und eine modifizierte Panzerung. Neben einer abgeschrägten oberen Heckpanzerung waren auch über dem Fahrerplatz vor dem Turm an den Seiten Panzerplatten schräg eingebaut worden. Der Turm wurde komplett erneuert. Er war nun stark konisch und hatte eine kleine Kommandantenkuppel im Zentrum der Deckenpanzerung. Der neue Motor machte eine weitere Klappe hinter der ursprünglichen Wartungsklappe an der hinteren Seitenpanzerung nötig. Weitere Änderungen waren der Anbau einer Konstruktion zur Erhöhung der Grabenüberschreitfähigkeit und die Verlagerung des Endtopfes der Auspuffanlage weiter nach vorn. Das Fahrzeug wurde 1930 unter der Bezeichnung Kolo Housenka-70 an die Armee übergeben. Zu diesem Zeitpunkt stand aber die Lizenz zur Verwendung des Laufwerks kurz vor dem Ablaufen, so dass die Rechte erneut teuer hätten gekauft werden müssen. Daher wurde das Projekt 1933 endgültig eingestellt.

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Kolo Housenka-70
kolohousenka70.jpg (34.35 KiB) 752 mal betrachtet

Daten (KH-50):

Gebaute Fahrzeuge: 1 + 1 Fahrgestell
Gewicht: 7,5 t ohne, 10 t mit Panzerung
Besatzung: Fahrer und Kommandant/Schütze
Länge: 4500 mm
Breite: 2390 mm
Höhe: 2530 mm
Motor: Hanomag WD 50 4-zylinder Benzinmotor
Leistung: 50 PS
Geschwindigkeit: 15 km/h auf Ketten, 35 km/h auf Rädern
Reichweite: 300 km auf Rädern auf Straßen
Leistungsgewicht: 5 PS/t
Bewaffnung: 1 X Skoda D/27 3,7 cm Kanone


Weitere Teile werden aufgrund des Umfangs des Themas im Laufe der Zeit folgen.


Gruß

tom ;)

edit:

Hab was vergessen:

Quellen:
wikipedia
http://tankarchives.blogspot.com/2017/0 ... first.html
http://www.tanks-encyclopedia.com/ww2/C ... lohousenka

tom
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Re: Tschechoslowakische Panzer bis 1945

Beitrag von tom » So 27. Jan 2019, 10:55

Moin

So, endlich geht es weiter:

MU-2 Tankette

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MU-2 Prototyp
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1930 erwarb und testete die tschechoslowakische Armee die Carden-Loyd Tankette und empfand das Konzept als grundsätzlich geeignet. Jedoch wurden die oben offene Panzerung und das geringe Schussfeld des MGs bemängelt. Da ein Interesse seitens der Armee bestand, entschloss sich die Firma Skoda, entsprechende Fahrzeuge zu entwickeln.

Das erste Projekt erhielt die Bezeichnung MU-2. Das Fahrzeug hatte anders als das britische Vorbild einen geschlossenen Kampfraum und einen Drehturm. Die Panzerung bestand jedoch nur aus dünnen Panzerplatten von 4 – 5,5 mm Dicke. Fahrer und Schütze saßen nebeneinander. Aufgrund der sehr geringen Ausmaße des Fahrzeugs waren beide sehr in ihren Bewegungsmöglichkeiten eingeschränkt. Zudem benötigte der Fahrer eine Sichtkuppel, wodurch der Seitenrichtbereich des MGs im Turm nach rechts eingeschränkt war. Im Heck war ein 33 PS Benzinmotor eingebaut, der das nur 2 t schwere Fahrzeug aufgrund der schwachen Übersetzung trotzdem kaum durch schweres Gelände bewegen konnte.

Das Laufwerk bestand aus vier paarweise gefederten Laufrädern, dem Antriebsrad vorn, dem Spannrad hinten und vier Stützrädern. Die Laufräder waren mit dem Spannrad durch einen Querbalken verbunden, der zusätzliche Stabilität bringen sollte.

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nochmal der Prototyp
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Die tschechoslowakische Armee testete das Fahrzeug 1932. Einerseits sah man grundsätzlich Potential in der Anordnung der Bewaffnung, andererseits konnten weder der Platz im Inneren, noch der Motor oder die Panzerung überzeugen, so dass die Konstruktion schließlich abgelehnt wurde. Der Prototyp wurde verschrottet.

Daten:
Gebaute Fahrzeuge: 1
Gewicht: 2 t
Besatzung: Fahrer und Kommandant/Schütze
Länge: 3200 mm
Breite: 1700 mm
Höhe: 1440 mm
Motor: 4-zylinder Benzinmotor
Leistung: 33 PS
Geschwindigkeit: n. b
Leistungsgewicht: 16,5 PS/t
Bewaffnung: 1 X vz.24 8 mm Schwarzlose MG

Quellen:
http://www.utocnavozba.wz.cz/tank/t-skoda.htm
http://peashooter85.tumblr.com/post/169 ... oslovakian
https://bg.battletech.com/forums/index. ... 55952.1140

Gruß

tom ;)

Ingwio
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Re: Tschechoslowakische Panzer bis 1945

Beitrag von Ingwio » So 27. Jan 2019, 13:30

Irgendwie knuffig und mit Platzangstgarantie.

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